Kunstraum, Termine

Die Tugenden und die Laster

Tags: , , , , , , , ,

von Redaktion-25. September, 2018

Vor etwa 300 Jahren schuf der Bildhauer Matthias Bernhard Braun die monumentale Statuen der „Tugenden“ und der „Laster“ im ostböhmischen Kuks. Und im nahen Neuwald hinterließ der Bildhauer mitten in der Wildnis das Naturkunstwerk Bethlehem: aus dem Felsen gehauene Skulpturen von überwältigender Wirkung. Diese Werke gehören zum Besten, was barocke Bildhauer nördlich der Alpen schufen. Graf Franz Anton Sporck, ein Mäzen europäischen Formats, ließ Ende des 17. Jahrhunderts in der waldeinsamen Gegend bei Kuks ein Hospital mit Kirche errichten, ein revolutionäres Sozialwerk. Sporck war eben keiner, der sein soziales Gewissen auf die Sonntagspredigt beschränkte. Seine Idee: auf der einen Seite des Flusses werden wohlhabende Kranke kuriert, die dafür bezahlen. Drüben aber, auf der anderen Seite, in Sichtweite des Kurbetriebs, also nicht ausgegrenzt, sollen alten und kranke Besitzlose wohnen dürfen. Den Alten und Schwachen gebührt Komfort und Schönheit! Das klingt wie ein Märchen, eine Utopie. Für die feudalen Menschenschinder war Sporck ein Ketzer.
Sporck ist davon überzeugt, dass er dem Ausbau seines Sozialwerks nicht besser dienen kann, als eben auch mit Hilfe von Kunst. So schuf Braun die Figuren der Tugenden und der Laster. Sie stellen uns noch heute noch vor Augen, wonach wir Menschen streben und was wir lieber lassen sollten, in einer Zeit, in der es maßgeblichen Persönlichkeiten nicht selten an Weisheit mangelt. Braun stellt der Gier, dem Geiz, der Völlerei, der Arglist die Tugenden Gerechtigkeit, Liebe, Mäßigung, Aufrichtigkeit und Klugheit gegenüber.
Was an diesem Ort in Böhmen deutsche, italienische, tschechische u.a. europäische Handwerker, Künstler, Komponisten und Poeten im Zusammenwirken über Jahrzehnte geschaffen haben, verbindet die Völker auf eine ganz besondere Weise, ist ein gutes Fundament, auch für die europäische Zukunft. Dem barocken Hospital Kuks drohte lange der Verfall. Mit viel Engagement wurde es von tschechischen Denkmalschützern gerettet. 2017 wurden sie für ihre großartige Arbeit mit dem Europa-Nostra-Preis gewürdigt, dem höchsten europäischen Denkmalschutz-Preis. Zum ersten Mal ist damit der Preis für die Erhaltung des Kulturerbes in die Tschechische Republik gegangen.

 

 

Die Tugenden und die Laster
Weltkunst im ostböhmischen Kuks.

Literarische Impressionen mit Bildern von Roland Rittig
5. Oktober, 19 Uhr

Alte Stadtbibliothek, Rahnestraße 20, Zeitz