Kunstraum

1.Siebdrucksession auf Posa

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von Nina Rüb-28. Dezember, 2018

Es brauchte gut ein Jahr (Um-)Bauzeit und die Hilfe zahlreicher Mitstreiter*innen, aber im Sommer 2018 war die Siebdruckwerkstatt auf Kloster Posa endlich einsatzbereit.
Um das angemessen zu feiern, wurden Künstler*innen und Gestalter*innen eingeladen, an einer ersten Siebdruck-Session teilzunehmen.

Dafür reisten am Freitag, den 14.09.2018 vier 2er-Teams aus Leipzig, Halle und Dessau nach Zeitz. Ihre Aufgabe war es innerhalb von 24 Stunden ein Plakat zum Thema Utopie zu entwerfen und letztendlich im Format 70×100 cm in der Werkstatt zu drucken.

Dazu gab es vorab eine Stadtrundfahrt durch Zeitz und eine kleine thematische Einführung:

„Um Kunst-Utopien zu entwerfen, müssen gesellschaftliche Verhältnisse miteinbezogen werden. – Die Utopie verlangt damit auch immer eine Auseinandersetzung mit der Biographie des Künstlers, mit der Biographie des Betrachters und mit der Biographie des Ortes, Zeitz. Vor diesem Hintergrund können sowohl künstlerische Arbeiten entstehen, die die vergleichende Auseinandersetzung (der Städte wie z. B. Deindustrialisierung, Freiraum als Möglichkeitsraum, etc.) fokussieren, als auch als auch Utopien entworfen werden, welche sich rein an biographischem Material abarbeiten.“
Auszug aus „Utopie als Betrachtung“, Konzeptpapier im Rahmen von Open Space Zeitz. Philipp Baumgarten.

Das Ergebnis dieses 24-stündigen Experiments sind vier komplett unterschiedliche und äußerst kreative Annäherungen an das Thema:

Jakob Wolf und Max Bisten

© Glaescher/Drosos-Stiftung

„Das Plakat zeigt eine Situation der Kontraste und Grauwerte auf verschiedenen Ebenen, eklektisch-analog collagiert aus Fund- und Versatzstücken, die wir vorgefunden haben. Zeitz im Zenit seiner rauchenden Industriebauten musste Federn lassen, doch zeigt es sich auf Posa sehr lebendig und vielseitig, wenn auch umgeben von Heimat-Idyll. Freiräume besetzen, sich einbringen, Chaos stiften, Regeln brechen, Kleinigkeiten Bedeutung geben und die Vision ausarbeiten…auf dass es nicht schlimmer wird – so könnte die Devise lauten.“

 

Paula Klarck und Cosima Mangold

© Glaescher/Drosos-Stiftung

„Eine Arbeit zum Thema Utopie in Zeitz: Immobilienspekulation schafft Leerstand. Doch auch vielfacher Abriss ist keine Lösung, wenn sich Stadt und Politik dabei gesellschaftlicher Verantwortung entziehen. Zwischennutzungen, der Erhalt von Gebäuden und künstlerische Interventionen beleben stattdessen die Stadt – die von der Teilhabe Aller lebt.“

 

Michael Eppler und Lisa Wölfel

 

 

 

„Für unser Siebdruckplakat haben Lisa und ich das erste Mal künstlerisch zusammengearbeitet. Auf unserem Plakat haben wir meine Sonntagszeichnungen mit Lisas Passanten-Portraits verbunden. Meine Sonntagszeichnungen sind für mich ein als Hobby umdeklarieter Werkblock. Wie ein Hund markiere ich die mich umgebende Natur bzw. Architektur.
Lisa hat ihre Zeichnungen ausgeschnitten, die so dekontextuierten Zeitzeugen haben sich nur widerspenstig in das von mir gezeichnete Stadtbild eingefügt. Was sie beigesteuert haben war ihre Phantomperspektive.

Das Zeichnen in der Öffentlichkeit hat immer eine unfreiwillige soziale bzw. performative Komponente. Es kommt oft zu Gesprächen mit Passanten. Hier ist auch der Eindruck der Deplatzierung bei uns gewachsen. Am Bahnhof habe ich mit einem Maurerlehrling gesprochen, der mir erzählte, dass er nach seiner Ausbildung so schnell wie möglich wegziehen will, weil es in Zeitz keine Möglichkeiten gibt Abends auszugehen. Lisas Modelle haben sich später als hessische Afd-Wähler entpuppt.

Eine utopische visionäre Lösung gibt es nicht bei uns. Unser Plakat kann als lakonischer Reisebericht von einer atmosphärisch hoch interessanten Stadt, mit literarisch wertvollen Akteuren gelesen werden.“

 

Aljoscha Subke

„Rearrange, repeat, release versinnbildlicht inhaltlich das Schaffen und die Ziele der Kreativakteure vor Ort. Das typografische Spiel mit den Begriffen selbst wird durch kleine, thematisch passende Bildelemente unterstützt. Durch die ineinandergreifende Anordnung der Elemente wird ein unlinearer Prozess dargestellt. „

 

Technischen Schwierigkeiten beim Drucken zum Trotz, waren alle Beteiligten zufrieden mit diesem ersten Pilotprojekt in der neuen Siebdruckwerkstatt und wir fasziniert, was für ausdrucksstarke Werke in so kurzer Zeit entstanden sind.

Um mit den Möglichkeiten der Werkstatt auch in Zukunft das kulturelle und kreative Angebot in Zeitz und Umgebung zu fördern, werden im Mai und September 2019 weitere Print-Sessions veranstaltet. Auch dort wollen wir Kreative einladen sich in künstlerischer und gestalterischer Weise mit den Gegebenheiten, Visionen und Herausforderungen in Zeitz kritisch auseinanderzusetzen und die Plakat-Kollektion zu erweitern. Ende 2019 wird diese dann voraussichtlich einen vorzeigbaren Umfang haben, den wir in einer öffentliche Ausstellung präsentieren werden.

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